Das harte Leben von Fernstudenten

06/01/2010

Urlaub für eine gute Sache…

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 09:30
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Jedes Jahr wieder wollen unsere Vorgesetzten, dass wir unseren Jahresurlaub einreichen. Spätestens das veranlasst uns, den Weg ins Reisebüro zu finden, im Internet nach Flügen zu suchen, uns Bilder von Ferienhäusern anzusehen und zu entscheiden, wann es wo hingeht. Und auch wenn die Vorfreude auf den baldigen Urlaub schön ist und wir ins Schwärmen geraten angesichts der Bilder – ist es doch auch jedes jahr wieder Stress pur!

Ich meine, die Eltern unter uns planen ihren Urlaub nach den Ferienzeiten der Kinder. Das deprimiert unglaublich, wenn man sich dann mal anschaut, was der gleiche Urlaub nur 2 Wochen vor oder nach den Ferien kosten würde. Wer auf Ferienzeiten nicht achten muss, hat die Qual der Wahl! Wann sind wo einzuplanende Festivals, Filmpremieren, Naturschauspiele oder Ferien (hey – wer keine Kinder hat, möchte nicht zwangsläufig seinen wohlverdienten Urlaub zwischen kinderreichen Familien verbringen….).

Gesegnet sei unser Fernstudium! Wir haben diesen ganzen Stress und Aufwand nicht. Wir schauen nach, wann unsere Klausurtermine und die Termine eventuell anstehender Propädeutika sind und ZACK! – schon stehen die Urlaubszeiten fest! Und erst der Ort …. traumhaft …. schön am ruhigen, einsamen, ausgeleuchteten Schreibtisch …. Ausgewähltes Rahmenprogramm bestehend aus Kaffee kochen, dem Postboten die Tür öffnen und Pakete sämtlicher Nachbarn annehmen und das Feststellen der Gassi-geh-Zeiten aller Hundebesitzer der Gegend inbegriffen. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen?! Eben drum! Gesegnet sei unser Fernstudium!

Es erspart uns das Checken hunderter Internetseiten. Ebenso haben wir nicht die Angst, Urlaub zu buchen um 2 Wochen später festzustellen, dass er günstiger geworden ist. Es passiert uns auch nicht, dass wir auf toll fotografierte Ferienwohnungen hereinfallen, die in natura nicht einmal das Zeug zu unserem Keller hätten. Wir ärgern uns nicht über unappetitliche Frühstücksbüffets, unfreundliche Kellner, belegte Liegestühle, fremde Haare auf der Hotelmatratze, nicht dicht haltende Gummidichtungen an der Dusche,….. Erstaunlich, wie lang die Liste bei nur kurzem Überlegen ist und wie unendlich man sie fortführen könnte…!

Nein – wir verbringen unseren Urlaub daheim und lernen. Und hier die unglaublich vielen Vorteile:

  • das Geld für die Reise ist gespart
  • das Geld, das man sonst im Urlaub ausgegeben hätte, ist gespart
  • uns ereilt die Anerkennung und das Mitgefühl aller Kollegen und Freunde
  • wir werden unheimlich schlau
  • wir verpassen keine Paketzustellung
  • wir wissen endlich über die Gassi-geh-Zeiten der Hundebesitzer in der Gegend Bescheid
  • wir haben nach 2 Wochen nicht 10 Maschinen Wäsche zu bewältigen
  • wir müssen keine Postkarten schreiben
  • wir müssen keine Fotoalben erstellen
  • wir werden nicht per email unendlich oft aufgefordert, das Hotel zu bewerten
  • wir müssen keine Urlaubsbekanntschaften pflegen
  • wir haben keine Bikini- oder Badehosen-Streifen

UND: WIR BEDAUERN NICHT, DASS DER URLAUB VORBEI IST!!! 😀

Aber lasst uns an eines denken: Habt immer genug Mitgefühl für unsere armen, nicht fernstudierenden Kollegen, die dem Urlaubs-Buchungs-Stress unvermeidbar ausgesetzt sind! Bietet ihnen eine Schulter zum Anlehnen in dieser schweren Zeit. Und täuscht Begeisterung über erhaltene Postkarten und das Fotoalbum vor! Das sind wir ihnen schuldig…

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28/10/2009

Immer diese Unsicherheit

Ich mache mir bestimmt 1/3 meiner Zeit, die ich eigentlich zum Lernen reserviert habe, Gedanken darüber, ob meine Herangehensweise ans Thema wohl richtig bzw. optimal ist, ob ich genug mache, ob ich genau das Falsche lerne, ob ich auf dem falschen Weg lerne, ob ich die Matheklausur nicht doch lieber ins nächste Semester schieben sollte usw…

Das ist nicht alleine eine Form der Ablenkung, wie sie uns ja ohnehin schon das Fernstudentenleben schwer macht, sondern außerdem wirkt diese Unsicherheit auf mich auch oft sehr leistungshemmend. Ich fange an, an banalen Dingen zu zweifeln, wie z. B. ob ich mir wohl 10 Formeln merken kann oder ob mir in der Klausur denn wirklich noch der Zusammenhang zwischen Preis eines Gutes und Nachfrage nach diesem Gut einfallen wird. Das bedeutet diese Zweifel vernebeln mir meinen gesunden Menschenverstand. Mal ehrlich: Viele Dinge lassen sich doch aus dem normalen Leben ableiten und durch die Frage beantworten: Wie würde ich das jetzt entscheiden, wäre ich der Käufer/Unternehmer/… Diese Antworten haben dann nicht zwingend das Zeug zur 1,0 – aber sie würden uns wahrscheinlich sogar bestehen lassen oder wenigstens einen Einstieg in die Beantwortung der Aufgaben geben und während man dann so am Schreiben ist, fällt einem doch bestimmt wieder etwas von dem stundenlang Gelernten ein, mit dem man sich in den letzten Monaten mehr beschäftigt hat, als mit der eigenen Familie.

Und das ist doch auch schon der springende Punkt: Warum zweifeln wir so sehr an uns, wenn´s ums Studium geht?! Wir wenden verhältnismäßig viel Zeit auf um uns den Stoff anzueignen. Wir lesen, unterstreichen, schreiben ab, ergänzen, malen aus, umranden, streichen durch, kreisen ein, setzen Klammern,… und das über Wochen und Monate. Selbst im Urlaub schleppt man noch des Gewissens wegen Bücher mit sich rum, in die man ohnehin nicht reinschaut, aber allein ihre Anwesenheit beruhigt uns.

Wohin geht dann unser Sebstvertrauen, wenn es zur Abfrage dieses Wissens kommt, das doch mittlerweile zu uns gehört wie der linke Schuh zum rechten?!

Ein Beispiel: Ich wohne so an einem Ort, der eigenartigerweise von allen Familienmitgliedern 3-4 Autostunden entfernt liegt, obwohl meine Familie deutschlandweit ziemlich verstreut wohnt. Nicht, dass jetzt jemand denkt, den Wohnort hätten wir mit Absicht so gewählt… Und wenn ich nun meine Tante 1 Jahr nicht sehe, weiß ich doch trotzdem noch, wer sie ist, was sie macht, wie sie aussieht und worüber wir uns die letzten Male unterhalten haben… Oder denkt ihr vor einem Familientreffen: Oh, hoffentlich weiß ich noch, wer mein Opa ist. Was hat er früher nochmal gemacht? Wo war nochmal unser gemeinsamer Urlaub?! Mist, ich weiß nix mehr. Hilfe!!! Ich kann da nicht hin! — Zugegeben: „Ich kann/will da nicht hin“ denkt vielleicht der ein oder andere. Aber doch nicht, weil er Angst hat nichts mehr zu wissen und sich unter Fremden vorzufinden, sobald er da ist.

Aber kaum wird aus der Tante oder dem Opa das 2. Gossen´sche Gesetz macht mein Kopf dicht. Dann bin ich einsam unter Fremden. Unter fremden Begriffen, fremden Formeln, Fremdwörtern… Obwohl ich mich damit in den letzten Monaten doch so viel intensiver beschäftigt habe, als ich es je mit meiner Tante getan habe. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass alle meine Tanten toll sind und wenn es möglich wäre, kämt ihr auf meiner Rangliste vor dem 2. Gossen´schen Gesetz!)

Warum ist das so?!

Anwtort: Es gibt keinen rationalen Grund. Allein die Tatsache, dass eine Wissensabfrage via Klausur erfolgt, macht uns solchen Kummer. Mal ehrlich: Müsste ich am Anfang eines Familientreffens einen Test schreiben über die Lieblingsfarben und Lieblingsspeisen meiner Verwandten, hätte ich auch Bammel. 😀

Aber wieso machen wir uns den Stress?! Gerade als Fernstudent hat man doch i. d. R. schon eine Berufsausbildung, sogar einen Job und muss das Studium nebenbei auch noch mit seinem Privatleben in Einklang bringen (auch wenn es manchmal eher in einen 6-stimmigen Kanon ausartet). Müssen wir uns denn vor uns selbst noch mit einer 1,0 in einer Klausur beweisen?! Und müssen wir anderen unbedingt von der Klausur erzählen?! Also ich muss meine Klausuren nicht mehr von den Eltern unterschrieben zugeben.

KEEP COOL lautet also die Devise. Es ziehen sowieso schon alle den Hut vor uns, weil wir uns das Fernstudium zutrauen. Und bei jedem Familientreffen mal einen schlauen, unglaublich akademischen Satz in die Runde geworfen reicht der Meute um ihre Bewunderung aufrecht zu erhalten. Und sooo ehrlich müssen wir ja nun wirklich nicht sein, dass wir unbedingt unsere Klausurtermine und die Noten rumerzählen müssen. Also kein Stress. Auf Nachfragen reicht doch den meisten, dass man gut vorankommt, Mathe ist eh immer das Arschloch und fertig. 🙂

Also immer locker durch die Hose atmen und ran an den Speck!

Es ist weder Raum noch Zeit für Selbstzweifel! Denn wir sind FERNSTUDENTEN!

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