Das harte Leben von Fernstudenten

28/10/2009

Immer diese Unsicherheit

Ich mache mir bestimmt 1/3 meiner Zeit, die ich eigentlich zum Lernen reserviert habe, Gedanken darüber, ob meine Herangehensweise ans Thema wohl richtig bzw. optimal ist, ob ich genug mache, ob ich genau das Falsche lerne, ob ich auf dem falschen Weg lerne, ob ich die Matheklausur nicht doch lieber ins nächste Semester schieben sollte usw…

Das ist nicht alleine eine Form der Ablenkung, wie sie uns ja ohnehin schon das Fernstudentenleben schwer macht, sondern außerdem wirkt diese Unsicherheit auf mich auch oft sehr leistungshemmend. Ich fange an, an banalen Dingen zu zweifeln, wie z. B. ob ich mir wohl 10 Formeln merken kann oder ob mir in der Klausur denn wirklich noch der Zusammenhang zwischen Preis eines Gutes und Nachfrage nach diesem Gut einfallen wird. Das bedeutet diese Zweifel vernebeln mir meinen gesunden Menschenverstand. Mal ehrlich: Viele Dinge lassen sich doch aus dem normalen Leben ableiten und durch die Frage beantworten: Wie würde ich das jetzt entscheiden, wäre ich der Käufer/Unternehmer/… Diese Antworten haben dann nicht zwingend das Zeug zur 1,0 – aber sie würden uns wahrscheinlich sogar bestehen lassen oder wenigstens einen Einstieg in die Beantwortung der Aufgaben geben und während man dann so am Schreiben ist, fällt einem doch bestimmt wieder etwas von dem stundenlang Gelernten ein, mit dem man sich in den letzten Monaten mehr beschäftigt hat, als mit der eigenen Familie.

Und das ist doch auch schon der springende Punkt: Warum zweifeln wir so sehr an uns, wenn´s ums Studium geht?! Wir wenden verhältnismäßig viel Zeit auf um uns den Stoff anzueignen. Wir lesen, unterstreichen, schreiben ab, ergänzen, malen aus, umranden, streichen durch, kreisen ein, setzen Klammern,… und das über Wochen und Monate. Selbst im Urlaub schleppt man noch des Gewissens wegen Bücher mit sich rum, in die man ohnehin nicht reinschaut, aber allein ihre Anwesenheit beruhigt uns.

Wohin geht dann unser Sebstvertrauen, wenn es zur Abfrage dieses Wissens kommt, das doch mittlerweile zu uns gehört wie der linke Schuh zum rechten?!

Ein Beispiel: Ich wohne so an einem Ort, der eigenartigerweise von allen Familienmitgliedern 3-4 Autostunden entfernt liegt, obwohl meine Familie deutschlandweit ziemlich verstreut wohnt. Nicht, dass jetzt jemand denkt, den Wohnort hätten wir mit Absicht so gewählt… Und wenn ich nun meine Tante 1 Jahr nicht sehe, weiß ich doch trotzdem noch, wer sie ist, was sie macht, wie sie aussieht und worüber wir uns die letzten Male unterhalten haben… Oder denkt ihr vor einem Familientreffen: Oh, hoffentlich weiß ich noch, wer mein Opa ist. Was hat er früher nochmal gemacht? Wo war nochmal unser gemeinsamer Urlaub?! Mist, ich weiß nix mehr. Hilfe!!! Ich kann da nicht hin! — Zugegeben: „Ich kann/will da nicht hin“ denkt vielleicht der ein oder andere. Aber doch nicht, weil er Angst hat nichts mehr zu wissen und sich unter Fremden vorzufinden, sobald er da ist.

Aber kaum wird aus der Tante oder dem Opa das 2. Gossen´sche Gesetz macht mein Kopf dicht. Dann bin ich einsam unter Fremden. Unter fremden Begriffen, fremden Formeln, Fremdwörtern… Obwohl ich mich damit in den letzten Monaten doch so viel intensiver beschäftigt habe, als ich es je mit meiner Tante getan habe. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass alle meine Tanten toll sind und wenn es möglich wäre, kämt ihr auf meiner Rangliste vor dem 2. Gossen´schen Gesetz!)

Warum ist das so?!

Anwtort: Es gibt keinen rationalen Grund. Allein die Tatsache, dass eine Wissensabfrage via Klausur erfolgt, macht uns solchen Kummer. Mal ehrlich: Müsste ich am Anfang eines Familientreffens einen Test schreiben über die Lieblingsfarben und Lieblingsspeisen meiner Verwandten, hätte ich auch Bammel. 😀

Aber wieso machen wir uns den Stress?! Gerade als Fernstudent hat man doch i. d. R. schon eine Berufsausbildung, sogar einen Job und muss das Studium nebenbei auch noch mit seinem Privatleben in Einklang bringen (auch wenn es manchmal eher in einen 6-stimmigen Kanon ausartet). Müssen wir uns denn vor uns selbst noch mit einer 1,0 in einer Klausur beweisen?! Und müssen wir anderen unbedingt von der Klausur erzählen?! Also ich muss meine Klausuren nicht mehr von den Eltern unterschrieben zugeben.

KEEP COOL lautet also die Devise. Es ziehen sowieso schon alle den Hut vor uns, weil wir uns das Fernstudium zutrauen. Und bei jedem Familientreffen mal einen schlauen, unglaublich akademischen Satz in die Runde geworfen reicht der Meute um ihre Bewunderung aufrecht zu erhalten. Und sooo ehrlich müssen wir ja nun wirklich nicht sein, dass wir unbedingt unsere Klausurtermine und die Noten rumerzählen müssen. Also kein Stress. Auf Nachfragen reicht doch den meisten, dass man gut vorankommt, Mathe ist eh immer das Arschloch und fertig. 🙂

Also immer locker durch die Hose atmen und ran an den Speck!

Es ist weder Raum noch Zeit für Selbstzweifel! Denn wir sind FERNSTUDENTEN!

Advertisements

27/10/2009

Wer sonst, wenn nicht wir!

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 11:43
Tags: , ,

Ist es nicht seltsam, wie oft die Motivationslage sich an einem einzigen Tag ändern kann?! Morgens bin ich immer noch ziemlich euphorisch. Das sieht dann so aus, dass ich mir akribisch meinen Arbeitsplatz vorbereite und alles bereitlege, was ich evtl. brauchen könnte: Block, Bleistift, bunte Stifte, Kugelschreiber, Lineal, Tee, Schokolade, Taschentücher, Fremdwörterbuch (!). Hmmm…irgendwie….ach ja: Und die jeweilige Lektüre natürlich! Fast vergessen. Der Schreibtisch war halt schon so voll. Na ja, kann ja mal passieren. Und dann kann´s eigentlich auch schon losgehen mit dem schlauer werden!
Moment – erst noch schnell emails checken. Damit mich das nachher nicht ablenkt. (ist klar…) Jetzt nur noch schnell bei studivz reingeschaut, fix getwittert, dass es nun endlich losgeht, schnell noch den blog kontrolliert, wie viele Besucher gestern da waren und schon geht´s los. Okay, mit 20 Minuten Verspätung, aber dafür kann mich jetzt auch nichts mehr ablenken! Motivation 10 von 10!
Halt. Noch fix zur Toilette. So, jetzt aber.
Wir schlagen auf: Seite 79 „Elastizitäten und ihre Anwendungen“. Klingt ja schon voll nach Studium. Wenn ich das nachher in den blog schreibe, denken alle „WOW! Damit kann ich gar nichts anfangen. Und das macht die mal eben so. Ich hätte gar keine Lust mich damit zu beschäftigen.“
COOL. Das muss nachher unbedingt in den blog. Mist. Schon wieder mit den Gedanken woanders. Ich könnte jetzt schon meinen blog-Eintrag für heute schreiben.
NEIN! Du hast schon 30 min vertrödelt und immer noch nix studiert! Los jetzt. Motivation 8 von 10.

Ich lese also: „Außer der Richtung interessiert bei der Analyse von Ursache-Wirkungs-Beziehungen auch das quantitative Ausmaß der Veränderung. Das Messkonzept, das hierfür verwendet wird, ist die Elastizität. Sie gibt generell an, um wie viel Prozent sich die als Wirkung betrachtete Größe ändert, wenn sich die Ursachenvariable um ein Prozent ändert. (Volkswirtschaftslehre schnell erfasst, Herbert Edling, Springer)
Aha. Wusste ich gar nicht. Nicht schlecht. Oh nee, ich habe vorhin beim Einkaufen Äpfel vergessen. Und Molke. Da muss ich eigentlich nochmal los. Kann ich auch morgen machen. Dann kann ich heute den ganzen Tag lernen. Ja, guter Plan.
AAAARRRGHH. Schon wieder mit den Gedanken woanders. Motivation 4 von 10. Ich hol mir erstmal einen Pudding.

Telefon. Eine Freundin. Motivation = 0.

45 Minuten später. Nochmal Toilette, nochmal neuer Tee. Nochmal anfangen. Keine Lust. Warum mach ich das eigentlich?!!!

Ach ja: Ich will ja einen cooleren, besser bezahlten Job. Und ich würde einfach gern ein Diplom haben. Ich möchte es einfach schaffen, weil ich´s kann. Na hör mal – andere haben nicht mal unbedingt Abitur, ihre letzte Prüfung liegt u. U. Jahre zurück und sie müssen nebenbei noch Überstunden und ihre Kinder mit dem Studium vereinbaren. Die würden sich über so viel Zeit, wie ich sie habe, freuen! Und vor allem: Die stellen sich auch nicht so an wie ich! Wir müssen uns nur die ursprünglichen, in der Vorstellung ausgeschmückten Gründe ins Gedächtnis zurückrufen, weshalb wir uns diese Herausforderung aufgebürdet haben!
Also los jetzt. T – 73 Tage bis zu ersten Klausur. Motivation 11 von 10.

Jetzt oder nie…! 😉

Bis allerspätestens 14.00 Uhr. Denn dann laufen ja die Gilmore Girls im TV.

26/10/2009

Und jeden Tag was anderes…

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 15:55
Tags: , , ,

Mir geht es so, dass ich Feedback brauche. Nicht nur im Studium, sondern überall: Ja Schatz, das Essen schmeckt. Toll, wie Deine neue Hose sitzt. Schön, dass Du endlich aufgestanden bist….

Ich glaube, nur wenige können sich komplett davon frei machen eine zweite (dritte, vierte,…) Meinung hören zu wollen. Insbesondere in Bezug auf ein einsam durchgeführtes Fernstudium gestaltet sich diese Rückmeldungsholung schon etwas schwieriger. Aber zum Glück gibt es an meiner HS, wie wahrscheinlich auch an jeder anderen, eine Plattform im Internet mit Foren und Chats, in denen sich ausgetauscht werden kann. Ganz toll!

GANZ TOLL für alle, die schon mal auf eine Frage von 3 Leuten 5 Antworten haben wollten. Hier ein Beispiel: Friedrich (das Thema mit den frei erdachten Namen kennen wir bereits und es wird in diesem blog immer so sein) möchte den Arbeitsaufwand für Buchführung und Bilanzierung besser einschätzen können und bittet um Erfahrungsberichte. Diese reichen von: Einmal gemütlich durchlesen. über: 5 Tage lernen, 10 Tage üben. bis hin zu: Ich würde mir noch 3 Bücher kaufen (jedes mit ca. 300 Seiten versteht sich), alle durcharbeiten, die Übungsaufgaben machen, die Übungsklausuren der letzten 10 Jahre durcharbeiten und einen Ausbildungsplatz zum Buchhalter suchen.

Tolle Wurst. Wem hilft das denn nun weiter?!

Es ist sicherlich nett gemeint und der Fragesteller hat ja irgendwie auch selbst Schuld, wenn er Millionen Menschen die Möglichkeit gibt seine persönliche Situation einzuschätzen – aber: Muss das sein?! Jede Frage in Foren, die einen halbwegs interessiert, zieht einen Rattenschwanz an Antworten hinter sich her, sodass man nach 15 Minuten Lesen schon nicht mehr weiß, was man wissen wollte. Mir hat es noch nie etwas gebracht Foren durchzustöbern, in der Hoffnung eine für mich gültige Antwort zu finden.

Man kann jetzt versuchen einfach seine Frage zu stellen und Antworten abzuwarten. Aber VORSICHT!!!! Wehe, eine ähnliche Frage wurde bereits gestellt! Es muss Menschen geben, die sich als Hüter der heiligen Foren fühlen und doppelte Fragen sofort herausfiltern. Man bekommt dann prompt eine Antwort wie: Ähnliche Fragen wurden schon auf den Seiten 1046, 277 und 1125 gestellt. Such Dir doch die Antwort einfach mal raus, anstatt hier wertvollen Platz zu verschwenden!

Whoa! Das hat gesessen. Und schon fühle ich mich wieder dumm und klein. Wertvoller Platz…aha. Na gut, dann mal eben zu Antwortseite Nr. 1046 gescrollt, Frage gefunden – HALT! – das ist nicht meine Frage! Ja, okay, sie hat entfernt etwas mit dem Thema zu tun, über das ich etwas wissen wollte. Aber das hinkt genauso wie wenn ich nach den besten Still-BHs frage und der Foren-Hüter mich auf eine Seite schickt, in der mir erklärt wird, wie ich meine fruchtbaren Tage errechne!

Der Dummkopf. Also: Frage erneut gestellt. Ergebnis: Rauswurf durch den Foren-Hüter. Upps. Der hatte wohl doch was zu sagen.

Aber mal ehrlich: Ist es nicht besser so?! Die ganze Zeit zum Suchen eventuell wenigstens halbwegs passender Antworten kann ich doch besser ins Weiterlernen, Weiterlesen oder auch mit Oma telefonieren investieren. Wer gerne Foren nutzt – bitte sehr! Aber ich bin zu sehr den menschlichen Kontakt mit direkten Fragen und Antworten und vor allem der Möglichkeit der direkten Rückfrage gewöhnt.

Pech für mein Fernstudium, aber ich werde mich meinem Schicksal ergeben und in Zukunft ohne Feedback meinen Lernstoff bewältigen müssen. Na ja, nicht gänzlich ohne Feedback. Die Klausuren sind ja auch noch da. Und was dabei herauskommt, ist ja nun wirklich das, was zählt!

Ich mache dann also mal weiter… noch 11 Wochen bis zur Klausur.

25/10/2009

Zeitumstellung

Seid ihr nicht auch wenigstens 1 Mal im Jahr froh, dass es die Zeitumstellung gibt?! Natürlich meine ich die im Oktober, zu der wir 1 Stunde geschenkt bekommen. Denn erstens ist Zeit Geld und so könnte man diese Stunde als Gehaltserhöhung oder wenigstens  Subvention sehen.  Zum zweiten hat man so die Gelegenheit mal alles 1 Stunde früher zu machen wie es Michael Kessler tut. Oder man macht etwas Schönes 1 Stunde länger. Für mich könnte das heißen, ich übe heute länger Klavier,  mache 1 Stunde Mittagsschlaf, höre 1 Stunde meine Lieblings-CD oder fröhne meiner Lieblingsbeschäftigung – dem schlauer werden – für eine Stunde. Denn gewöhnlich nehme ich mir den Sonntag komplett frei.

Aber dann dachte ich mir: Hey, Dein Hirn braucht auch mal eine Auszeit von BWL, VWL und Co. Also tu doch einfach das, was alle zur Zeitumstellung tun: Lasse Dich über „Zeiger vor oder Zeiger zurück“ in übertriebenem Maße aus! Denn stellt euch mal die Tageszeitungen am Samstag vor der Zeitumstellung vor ohne die sich ständig wiederholenden Artikel, die jedes Jahr 2 Mal die Zeitumstellung erklären! Jede Zeitung, die dieses Szenario halbjährlich wiederholt, fliegt aus meinem Lesekreis und wird ab sofort ignoriert. Damit schrumpft allerdings die Anzahl der mich erreichenden Zeitungen dramatisch. Aber man muss Opfer für seine Überzeugungen bringen!

Ich meine: Sind wir denn wirklich alle so dämlich, dass uns die Vorgehensweise alle 6 Monate wieder bis ins kleinste Detail näher gebracht werden muss?! Und wenn ja: Welche Chancen haben wir (Fern-) Studenten denn da, überhaupt über das 1. Semester hinaus zu kommen? Zumal wir zu Hause nicht mal ständig eine Erinnerung durch Dozenten und Professoren erfahren, sondern einfach selbständig weiter machen müssen. Besteht da nicht die Gefahr (oder gar die Garantie), dass wir automatisch immer wieder beim Stoff für das erste Semester beginnen?! Es MUSS so sein.

Und doch ist es nicht so!

Macht das nicht auch die ständiger Erinnerung an die Zeitumstellung und vor allem die Anleitung, in welche Richtung sie stattfindet und wie ich meine Uhren daheim dazu bewege sie mitzumachen, überflüssig?!

Viele Zeitungen (und auch Nachrichtensendungen) sind der Meinung, es ist nicht überflüssig. Es ist journalistische Pflicht so scheint es. Stellt euch doch mal vor, was passieren würde, wenn man die Zeitumstellung nicht mitbekommt und bei McDonalds einen BigMäc bestellt, es aber noch Frühstüch gibt! Kaum auszudenken…

Und: An Samstagen vor der Zeitumstellung ist auch immer auf der Titelseite Platz für das „Uhr-umstellen-Ritual“! Lasst uns froh und dankbar sein, dass wenigstens an diesen 2 Samstagen im Jahr die Welt ein Stück besser ist als an anderen Tagen und der Platz für schlechte Nachrichten nicht benötigt wird.

So, meine zusätzliche Stunde ist nun auch vorbei und ich mache einfach wieder das, was ich sonst auch tue. Spannend. Schnell deswegen bei der Zeitung anrufen…

24/10/2009

Unterstützende Lernhilfen

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 09:51
Tags: , ,

Wir Fernstudenten – gefangen im Kreis der eigenen 4 Wände – haben wenig unterschiedliche Anhaltspunkte, die einem das Lernen erleichtern. In Präsenzveranstaltungen hat man noch die Lehrkörper, deren Erscheinung doch manchmal verblüffend genau zu ihrem Lehrgebiet passt. An dieser Stelle fragt man sich doch, ob  Aussehen passend zum unterrichteten Thema ein Einstellungskriterium ist?! (Ich erinnere an klischeehafte Lateinlehrer.) Und wie sieht so ein Einstellungsgespräch wohl aus: Ja, dieses Sakko mit Lederflicken an den Ellbogen gehört zu meinen Lieblingsstücken. Ich sitze grundsätzlich während des Unterrichts halb auf meinem Tisch… So in der Art vielleicht? Fachliche Qualifikationen werden vorausgesetzt, aber stimmt der Rahmen ist hier die Frage.

So, Nummer 1 zum Bezugnehmen auf das gelernte Thema fällt bei uns also schon mal weg und wir können uns in keiner Klausur an den Lehrer erinnern, der immer bei dem Thema seine uralt Folie rausgeholt hat, der das Tafelbild völlig falsch aufgezogen hat, ein Schlagwort immer wieder höchst befremdlich ausgesprochen hat o. Ä. WIR erinnern uns maximal an die Teesorte, die wir beim Erarbeiten des Themas getrunken haben.

Nummer 2 fehlt uns auch: Mitschüler bzw. in unserem Fall mittlerweile Kommilitonen, die Fragen stellen (manchmal mit der Wirkung größerer Verwirrung, manchmal mit Augenverdrehen quittiert, manchmal mit dem Resultat eines Aha-Effekts). Früher fiel mir in Klausuren schon hin und wieder ein: Mensch, gut dass Eugen (Name frei erdacht) neulich noch nachgefragt hat. Das muss die Lösung sein. Oder: Die Frage haben wir jetzt schon so oft im Unterricht beantwortet – dank Urs (Name ebenfalls frei erdacht) – dass die nochmal in der Klausur drankommt dient wohl nur der Überprüfung, ob es denn endlich verstanden wurde.

So werden einem Klausuren ein wenig kurzweiliger, man lockert sich mal kurz und vor allem ist man sich seiner Sache sicherer.

Tja und da uns diese Wiedererkennungsmomente fehlen, hier ein paar Alternativen:

  1. Farben pro Thema: Wenn ich mir Buchführung und Bilanzierung vornehme, trage ich blau. Bei VWL braun mit Jeans, BWL ist bei mir rosa und Mathematik schwarz.
  2. Lesezeichen entsprechend der Bücher: Selbstgebastelte Lesezeichen mit den Bildern von Promis, die schon mal (offiziell) Steuern hinterzogen haben, kommen in Gesetzesbücher wie Einkommensteuerrecht. Ein Bild des aktuellen Arbeitsministers kommt in Arbeitsrecht usw…
  3. Das gelernte Wissen gleich anwenden und Reaktionen abwarten: Beim Stammtisch z. B. mit dem exzellenten Wissen über Außenwirksame Informationssysteme glänzen und abwarten, wie und von wem man zum Schweigen gebracht wird.

Das sind jetzt nur einige Beispiele, denn wenn ich noch mehr von mir und meinen seltsamen Methoden preisgebe, halten mich noch alle für vollends verrückt und ich werde wegen Verdachts auf Unzurechnungsfähigkeit von sämtlichen Prüfungen schon im Vorfeld ausgeschlossen.

Ich nehme gerne weitere effiziente Vorschläge an, denn ich habe noch jede Menge Lernstoff vor mir und so viele Farben wie es Themen gibt, finden sich nicht in meinem Schrank. Es sei denn, ich beginne Unterscheidungen vorzunehmen wie gelb, senf, ocker, gold. (zur Klarstellung: ich besitze 1 GELBES Top!)

So denn, macht euch ran und geht über Eselsbrücken. Mindestens über 7…

23/10/2009

Sogar das Fernsehprogramm verschwört sich gegen uns!

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 08:40
Tags: , , , ,

Geht es euch nicht auch so, dass ihr euch bestimmte Lieblingsbeschäftigungen als Belohnungen einräumt? Z. B. das eigene Sportprogramm nach der Erarbeitung eines langweiligen/schwierigen/nicht enden wollenden Themas oder eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen vor dem Fernseher nach 6 Stunden Arbeit.

Meine Belohnung ist Gilmore Girls schauen von 15.00 – 16.00 Uhr. Bis 15.00 Uhr müsste ich theoretisch nach kleinen Päuschen zwischendurch 6 Stunden gearbeitet haben – dann kann man sich mal berieseln lassen, was Leckeres essen um danach nochmal frisch ein bisschen zu arbeiten.

DENKSTE!!! Was musste ich gestern Nachmittag bei der Umsetzung meines grandiosen Plans feststellen?! Gilmore Girls lief um 14.55 Uhr schon! Ich malte mir sofort die Horrorvorstellung aus, dass unser Haus in einem extraterrestrischen Kraftfeld gefangen ist, was Einfluss auf sämtliche Uhren hat. Ja, ja – das Naheliegendste immer zuerst! Aber NEIN: Ein Blick in den Videotext verriet mir, dass 2 Folgen angedacht waren und die Gilmore Girls eben schon ab 14.00 Uhr die Welt zu Grunde quatschen.

VERRAT! Das bringt meinen Lernablaufplan doch komplett durcheinander! Die nehmen mir damit wertvolle Studienzeit. Ist denen das denn ganz egal? Hilflosigkeit ob dieser Determination macht sich breit.

Aber was soll´s. Sollte ich mein Studium nicht schaffen oder in den Klausuren schlecht abschneiden, habe ich immer noch eine bessere Ausrede, als mein Hund hat meine Hausaufgaben gefressen: Das Studium war mit Mutter und Tochter einfach nicht vereinbar!

In diesem Sinne: Ruft mal wieder Oma an! Nur so zur Belohnung…

22/10/2009

Ein Hoch auf die Ablenkung!

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 11:19
Tags: , , ,

Ist es nicht erstaunlich, womit und in welchem Umfang man es schafft, sich kontinuierlich von dem abzuhalten, was doch eigentlich so wichtig ist?!

Ich musste heute Morgen zu pitstop für einen Ölwechsel und das Aufziehen der Winterreifen. Das ganze sollte voraussichtlich 1 Stunde dauern. Prima! In der Stunde kann ich mich doch super nebenan zu McDonalds reinsetzen, ein Lehrbuch mitnehmen und schlau werden!

Gesagt – getan! Auf zu McD! Klar, ohne einen Cappuccino geht nix. Die Dame machte mich sogar freundlich darauf aufmerksam, dass ich meinen Becher kostenlos und so oft, wie möchte, nachfüllen kann. Vorher musste ich mich jedoch entscheiden, ob ich den kleinen Cappuccino 0,2l für1,-€ nehme oder lieber den großen 0,3l für 1,99€. Hmm…schwierige Wahl. Aber hier zahlt sich das Studium doch schon direkt in barer Münze aus und ich nehme den kleinen Becher! Dann muss ich beim Nachfüllen auch öfter laufen, was dem Stoffwechsel und der Figur gut tut. Wow! Quasi 0,99€ verdient und zusätzliche Kalorien verloren (die zugegebenermaßen erst durch den Ausflug zu McD angehäuft wurden).

Nun aber zurück zur Ablenkung. Interessant, dass man sich sogar vom Ablenken ablenken kann. Ich sitze also mit meinem Cappuccino und 2 Frühstücksburgern (*würg*) an einem fast sauberen Tisch und schlage weltmännisch mein Buch auf. Fast fühle ich mich wie in NY in einem Starbucks, in dem es normal ist als Student dort zu studieren, als Geschäftsmann dort Geschäfte zu machen und als Hausfrau dort Kinderbücher zu schreiben. Echt urban. Toll. Aber das gute Gefühl währt nicht sooo lange, denn schon wird es auf einmal voll und es gibt viele interessante Menschen zu beobachten. Im Hinterkopf macht sich ein Gefühl schlechten Gewissens breit, weil ich schon wieder nichts für mein Studium mache. Aber es ist schon erstaunlich, wen man an einem Donnerstag pünktlich zum Wechsel von Frühstück auf übliche Burgerauswahl so sieht. Da stellen sich mir die nächsten Fragen: Die letzten 30 min der Frühstückszeit war nix los. Kaum gibt´s wieder „normales“ „Essen“, ist die Bude voll! Verschenkt man dadurch nicht Umsatz unter der Woche? Würde es sich auszahlen unter der Woche Frühstück z. B. nur bis 10.00Uhr anzbieten? Oder trifft das gar nur auf Donnerstage zu? Brauchen die den Leerlauf um die Küche auf Normalproduktion umzustellen?

Sehr betriebswirtschaftliche Gedanken wie ich finde und schon bin ich wieder zufrieden mit mir. Nicht schlauer, aber zufrieden!

So, dann fehlt ja nur noch ein Blick ins Buch – die letzten 30 min zum intensiven Lesen nutzen. Ich finde auch gleich etwas Wichtiges. Mist, ich habe keinen Bleistift dabei. Hmm…ob ich die Stelle je wiederfinde? Bestimmt. Ist doch mein Buch. Ich mach mir einen Zettel rein. Einen alten Kassenbon zum Beispiel. Tolle Idee! Hmm…was haben wir denn da. Aral. 70,50€. Zu deprimierend. Netto. Der ist gut. Aber lang. Was habe ich denn da alles gekauft?! Buttermilch. Molke. Äpfel. Oh Gott, wenn den jemand findet, bekommt der einen völlig falschen Eindruck von mir! Er ahnt ja nicht, dass ich TK-Pizza und Eis einfach noch en masse zu Hause hatte. Schnell weg damit, bevor er dank meines Buches mir zugeordnet werden kann.

Immer noch kein Zettel. Egal. Ist doch mein Buch und ich lese die Stelle garantiert nochmal und finde sie dann bestimmt auch immer noch so aufschlussreich wie jetzt.

Schnell noch ein Blick auf´s Handy. Eine neue Nachricht. Schön. 🙂 Schnell antworten. (Ich habe versucht die Cappuccino-Geschichte in 160 Zeichen reinzukriegen. Das erfordert eine umsichtige Wortwahl. Und Zeit).  Mist. Es ist schon wieder Zeit das Auto abzuholen.

Mittlerweile sind 5,5h der Zeit um, die ich normalerweise zum Lernen nutze (bzw. das endlich gerne mal tun würde). Ich habe ca. 6 Seiten in meinem BWL-Buch gelesen und ansonsten war ich bei einer Werkstatt, einem FastFoodRestaurant, beim Finanzamt, bei Netto (noch mehr Äpfel), habe telefoniert, getwittert, emails und diesen Eintrag geschrieben. Nun kann ich aber endlich mit dem heutigen Pensum loslegen!

Noch bis 15.00 Uhr, denn dann kommen Gilmore Girls…

Auf zum Atem!

21/10/2009

Es lebe Langenscheidts Fremdwörterbuch!

Filed under: Tagebuch im Fernstudentenleben — studentin @ 17:51
Tags: ,

Ich komme mir sooo dumm vor!

Geht es euch manchmal auch so. Bitte sagt „Ja. Natürlich. Ist doch normal.“

Achso, worum es eigentlich geht: Ich lese einen Text. Angebracht im Studium mag man an dieser Stelle denken. Aber halt! Was macht sie da? Wieso dreht sie sich auf ihrem tollen Bürostuhl immer um 90° nach rechts, dann wieder um 90° nach links, liest wieder ein bisschen, dreht sich wieder nach rechts…

Richtig! Sie muss jedes 10. Wort im Internet bei Langenscheidt nachschlagen! (Merci, dass es dich gibt!) Dabei dachte sie:

Ha, Grundlagen Volkswirtschaftslehre…pfft…alles schon mal gehabt! Das überfliege ich mal eben und lege dann mit Kapitel 2 so richtig los!

Tja, wäre da nicht das Hindernis, dass es doch tatsächlich möglich ist, Dinge, die mir seit Jahren geläufig sind, so in Fremdwörtern zu verstecken, dass ich sie erst nach dem Einsatz modernster Entschlüsselungstechniken erkenne!

Ich komme mir so unsagbar dumm dabei vor. Das Buch vor mir schüttet sich schon aus vor Lachen. Herr Langenscheidt ist genervt von meinen sekündlichen Nachfragen und der Bürostuhl ächzt. Leichter Schwindel setzt auch schon ein…

Ich hatte 9 Jahre Russischunterricht in der Schule. Wundervolle Sprache. Toller Unterricht. Super Lehrer! Aber 9 Jahre Langenscheidts Fremdwörterbuch behandeln hätte auch was für sich gehabt…

So long…bis zur nächsten mittelschweren Krise!

Hallo liebe Kommilitonen!

Filed under: Uncategorized — studentin @ 17:16
Tags: , ,

Dies wird ein Lern- und Lebenstagebuch eines Fernstudierenden. Jeder, der schon mal versucht hat sich selbst etwas beizubringen – es muss ja nicht zwingend gleich Algebra sein – wird schon dagesessen haben und an sich selbst und seinen Fähigkeiten gezweifelt haben.

Ich will mir hier meinen momentanen Unmut von der Seele schreiben, den ich alleine sitzend an meinem Schreibtisch sonst nicht adäquat loswerden kann. (In den ersten 3 Tagen versuchte ich Frustrationen bei meinem Kuscheltier abzulegen, was allerdings nicht übermäßig erfüllend war. Spike ist halt ein Dauergrinser…)

Da kam ich auf die Idee dieses Schicksal der unvermeidlich auftretenden Misserfolge/ der nur langsam eintretenden Erfolge mit anderen Fernstudierenden zu teilen! Geteiltes Leid ist halbes Leid!

Viel Spaß beim Lesen, kommentieren und Schicksal-Teilen!

Eure Julia

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.